Interview

1. Frage: Du bist die aktuelle WIBA Weltmeisterin im Fliegengewicht. Wo liegen deine Stärken?
„Ich bin sehr flink auf den Beinen und schlagstark. Ich zwinge meiner Gegnerin meinen Stil auf und das vereinfacht mir den Kampf sehr.“

2. Frage: Woran liegt deine Begeisterung für das Boxen?
„Ich liebe das Boxen. Einerseits mag ich, dass es ein „Kräftemessen“ zwischen mir und meiner Gegnerin ist. Anderseits ist der Sport alles andere als bloßes „Draufhauen“. Boxen hat viel mit Technik und Strategie zu tun. Ohne die beiden Sachen kommt man im Ring nicht weit. Es ähnelt durchaus dem Schachspielen.“

3. Frage: Was machst du, wenn du nicht auf Kampfabenden unterwegs bist oder trainierst?
„Ich gehe gerne mit dem Hund meiner Freundin spazieren, treffe mich mit Freunden und Shoppen darf natürlich wie bei so vielen anderen Frauen auch nicht fehlen. Darüber hinaus liebe ich Kino.“

4. Frage: Warum hast du dich aufs Boxen konzentriert und nicht weiter Kickboxen betrieben?
„Mir ist beim Kickboxen das Kreuzband gerissen. Danach konnte ich nicht mehr so effektiv kicken wie vorher. Boxunterricht hatte ich vorher auch schon. Außerdem habe ich im Kickboxen meine Kämpfe oft mit meinen Fäusten entschieden. Deswegen fiel es mir leicht aufs Boxen umzusteigen.“

5. Frage: Wie hat sich das Frauenboxen in den letzten Jahren verändert?
„Das Frauenboxen hat sich toll entwickelt. Wir haben viele junge Talente, die im Amateurbereich kämpfen und ich freue mich, dass die Disziplin endlich in London 2012 bei den Olympischen Spielen ihr Debüt feiert. Das ist ein weiterer Schritt nach vorne.“

6. Frage: Geht man als Boxerin im Privatleben lieber Konfliktsituationen aus dem Weg?
„Ich bin privat das totale Gegenteil. Durch den Sport ist man ausgeglichen und bisher musste ich mich im Privatleben nie verteidigen.“

7. Frage: Was war bisher die Arena, in der du am liebsten geboxt hast? Wo ist das Publikum am besten?
„Ich habe auf der Undercard von Evander Holyfield vs. Nikolai Valuev vor 10.000 Zuschauern in Zürich geboxt. Das war natürlich was ganz besonderes. Ansonsten habe ich überall gerne gekämpft und wurde überall sehr nett empfangen. Sensationell war auch der Kampf gegen Susi Kentikian in Hamburg. Anfangs stand das gesamte Publikum auf der Seite von Susi. Im Laufe des Kampfes erntete ich jedoch immer mehr Applaus für meine Aktionen. Das war ein totaler Kick und das Pfeiffkonzert bei der Urteilsverkündung hat mir zumindest gezeigt, dass ich mit meiner Einschätzung des Kampfverlaufes nicht ganz alleine da stand. Das Publikum in Hamburg war wirklich sehr fair und wollte guten Sport sehen. Das war unvergesslich für mich.“

8. Frage: Mit welchen Problemen hat man in deinem Sport zu kämpfen?
„Leider haben wir immer noch mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Noch immer verbinden viele Leute den Boxsport mit dem Rotlichtmilieu. Frauenboxen ist bei vielen Männern nach wie vor unbeliebt. Viele finden es unästhetisch. Das Image des Boxsports muss weiter aufpoliert werden, was nicht ganz leicht ist. Noch immer gibt es Kämpfe, in denen nicht der bessere Athlet sondern der einflussreichere Manager gewinnt. Das schadet dem Sport. Im Boxen müssen auch Champions Niederlagen einstecken können, ohne gleich in der Versenkung zu verschwinden. Bayern München wird auch nicht Deutscher Meister im Fußball ohne eine einzige Niederlage. Es sollte wirklich immer der Bessere gewinnen.“

9. Frage: Was ist schlimmer? Muskelkater oder Kater nach einer Partynacht?
„Es ist hart, wenn man nach einer Pause wieder neu anfängt zu trainieren und der Körper sich erst wieder an die Strapazen gewöhnen muss. Man spürt aber seinen Körper und weiß, dass man etwas getan hat, das einen persönlich weiterbringt. Ein Kater nach einer langer Nacht kann ähnlich schlimm sein und bringt Dich nicht wirklich voran.“

10. Frage: Du hast einen beeindruckend durchtrainierten Körper. Wie viele Sit-ups muss man dafür machen?
„Ich mache Sit-ups oft neben dem Training. Das schöne beim Boxen ist, dass der komplette Körper trainiert wird. Da muss man neben bei gar nicht mehr soviel machen. Aber die Körpermitte ist das Wichtigste, das man trainieren sollte, da hier die Stabilität für viele der Bewegungen entsteht.“

11. Frage: Stört es deinen Freund nicht, dass du als attraktive Frau dir Faustkämpfe im Ring lieferst?
„Nein, er unterstützt mich wo er nur kann. Ich bin froh ihn zu haben. Er gibt mir einen unsagbaren Rückhalt.“

13. Frage: Kann man vom Frauenboxen leben?
„Nur bedingt. Ich mache inzwischen parallel eine Ausbildung zur Bürokauffrau bei meinem Sponsor „ELOMECH“ Elektroanlagen GmbH, damit ich nach meiner Boxkarriere auch den Einstieg ins Berufsleben schaffe. Elomech steht zu 100% hinter mir. Das ist ein ganz sportverrücktes Unternehmen, das mir trotz Ausbildung ein professionelles Training ermöglicht. Allerdings kann man, wenn man den Sprung an die Weltspitze geschafft hat, durchaus auch ganz gut davon leben.“

Vielen Dank für das Interview und viel Glück in der kommenden Saison!